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Zentralindien 2004 Teil 2

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Guidos Reiseberichte

 

Bhubabswar Puri Elend Tara Kalkutta


Am Mittag fuhren wir mit dem Kalinga-Express-Zug nach Bhubanswar in Orissa. Auch wenn die Fahrt
17 Stunden dauerte, war uns keine Minute langweilig, und wir schliefen auch sehr gut.
 

Sonntag 7. Februar 2004  
Bhubaneswar, die Hauptstadt Orissas hat über 500 Tempeln, darunter viele aus dem 6. bis 11 Jahrhundert. Wir mieten uns heute eine Rikscha.
Unser Fahrer verkürzt sich das Warten mit einem Schläfchen.

Montag 8. Februar 2004 
Wir fuhren nach Puri und besuchten unterwegs Pipli mit dem grossen Angebot
an lokalem Kunsthandwerk, zu unglaublich tiefen Preisen.

 

Dienstag 9. Februar 2004 
Heute machten wir einen Ausflug zum Vogelparadies Chilka See ( 60 km ) Zuerst nahmen wir den Bus, doch als wir merkten, wie langsam das geht, und wie eng es in diesem Käfig wurde, stiegen wir am Stadtrand von Puri wieder aus. Zuerst zu Fuss, und später mit einer Rikscha gingen wir zum Zentrum zurück. Dort mieteten wir uns ein Auto mit Fahrer und fuhren wieder Richtung  Chilka See. Auf der Fahrt dorthin überholten wir den Bus etwa nach 40 km, und später sahen wir ihn nach Total 3 Stunden Fahrzeit ankommen. Unser Fahrer brachte uns geradewegs zu einem Bootsvermittler, doch als wir die stark übersetzten Preise sahen, sagten wir, nein Danke. Wir versuchten dem Fahrer klar zumachen, dass wir wieder zurückfahren wollten, um unterwegs Spaziergänge zu machen. Er verstand uns, und die Welt nun gar nicht mehr, denn so musste er nun auf die Provision des Bootsvermittler verzichten. Doch wir genossen den Nachmittag in dieser einsamen, wunderbaren Wasser Landschaft mit diesem fantastischen Vogelparadies. Später wurden wir noch von Fischern in ihre Schutzhütte zum Tee eingeladen.
Auf der Heimfahrt begegneten wir noch aufgebrachten Demonstranten. Dem Fahrer zahlten wir am Schluss einen grosszügigen Preis, und so waren  am Ende alle glücklich.
Mittwoch 10. Februar 2004 
Puri die bedeutendste Tempelstadt des Bundesstaates zeichnet sich durch ein hektisches Pilgertreiben aus wegen des berühmten Janannath Tempel, der sich wie eine deplazierter Weltraumrakete über die schmalen, geschäftigen Strassen erhebt. Er ist einer der vier heiligen geografischen Kardinalpunkte Indiens. Nicht Hindus dürfen den Tempel nicht betreten. Es gibt hier 6000 Tempeldiener, die unterteil werden in 96 erhebliche, welche für die Bedürfnisse der Gottheiten sorgen, wie Zähne putzen, Anziehen, Füttern usw., und den viele andern Dienern. In den Strassen rund um den Tempel herrschte ein reges Geschäftsleben mit vielen Bettlern. Heute war ich den ganzen Tag zu Fuss unterwegs und wir erlebten einen ausser gewöhnlich interessanten Tag. Doch als ich zu Fuss an den Slums in der Nähe des Bahnhofs vorbeikam, war ich recht geschockt. Ich habe noch nie solch erbärmliches von so Nahe gesehen. Aber auch hier waren die Leute sehr freundlich und lachten und sprachen mich an. An Bettler, und vieles andere mehr,  habe ich mich schon lange gewöhnt, aber wenn man sieht wie diese Menschen, und vor allem die vielen Kinder, wohnen müssen, das geht dann schon unter die Haut.

Donnerstag 11. Februar 2004 
Am Abend werden wir mit dem Nachtzug nach Kalkutta weiter reisen.  Heute spazierten wir der ganzen Beach Puris entlang, an das andere Ende der Stadt. Die Bilder ( unten ) oben zeigen ein wenig, dieses grauenhafte Fischerdorf. Es stehen Behausungen an Behausungen ohne einen einzigen Schatten spendenden  Baum. Zwischen diesen Häusern und dem Meer türmt sich zuerst der Müll und der Rest ist dann voller menschlichem Kot. Die Kinder dort haben überhaupt nicht den geringsten Platz zum spielen. Es scheint wenigstens, dass sie keinen Hunger haben müssen. Wir fragten uns jedoch, ob dieses Elend überhaupt noch zu übertreffen sei? Ist das überhaupt noch Leben oder nur noch Überleben?

Freitag 12.Februar 2004   
Am Morgen Früh kommen wir gut ausgeruht in Kalkutta an. Nach dem Transfer in das zentral gelegene Hotel und einem ausgiebigen Frühstück mache ich einen kleinen Spaziergang, um uns Getränke zu besorgen. Ich wurde von schon bald von einer Bettlerin angesprochen die ihr Kind dabei hatte. Da ich Bettlerinnen die ihre Kinder dabei haben, normalerweise nichts gebe, versuche ich sie abzuwimmeln, und ich hatte sowieso kein Kleingeld mit dabei. Doch sie lies nicht locker und begleitet uns zu einem Shop. Als ich das Trinken gekauft hatte gab ich ihr etwas. Sie konnte gut Englisch sprechen, weil sie jeweils Sonntags bei irgend einem kirchlichen Verein Unterricht bekam. Sie erklärte mir, das sie und  ihr Kind, sowie ihr Mann , der Tagelöhner ist, hier unter den Arkaden,  neun Monate im Jahr wohnen und schlafen. Wenn Regenzeit ist, fahren sie in ihr hundert Kilometer entferntes Dorf zurück, wo sie auch noch ihre Verwanden unterstützen. Ich kaufte ihrem Sohn dann eine Schreibtafel, der nun plötzlich aus seiner Lethargie  erwachte. Tara zeigte mir dann ihren Platz wo sie schläft, dort gab es lediglich einen Karton am Boden, und eine kleine Tasche. Ich versprach ihr sie am Nachmittag wieder zu besuchen.
Wir machten dann eine Stadtrundfahrt und am Schluss wollten wir noch das Sterbehaus von Mutter Theresa besuchen, weil es mich persönlich interessierte und weil Bernadette auch als Pflegerin viel mit dem Sterben in Berührung kommt. Wir waren etwas unsicher ob dies richtig ist, doch sofort wurden hier herein gebeten. Unmittelbar nach dem Eingang waren viele sterbende und kranke Menschen in dem sauberen grossen hellen Raum auf ihren Liegen. Bald wurden wir von einem Mann angesprochen, der an unserem Dialekt erkannte, dass wir aus der Schweiz kamen. Er ist auch Schweizer und  67 Jahre alt und arbeitete seit 7 Jahren für dieses Sterbeheim. So konnten wir aus erster Hand viel interessante erfahren. Die wichtigsten Aussagen die er machte waren: Dass das ursprüngliche Sterbehaus heutzutage etwa 50 % der Patienten wieder verlassen können., dass es als mehr und mehr zu einem Spital geworden ist und dass in Kalkutta niemand mehr verhungern muss, da es immer irgendwo, etwas zu tun gibt. Ich hatte es mir auch schon gedacht, dass Kalkutta nicht mehr das Armenhaus Indiens ist, als das es bezeichnet wird.
Das Markenzeichen der Stadt, die Howarh Brücke ist 97 m hoch und 705 m lang . Täglich kommen am Morgen 1 Million Fussgänger über die Brücke in die Stadt  und verlassen diese am Abend auch wieder über dir Brücke. Sich einmal mit dem Strom der schwitzenden Fussgänger mit treiben zu lassen,
hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck

 

Wie abgemacht traf ich Tara am Nachmittag wieder, und sie und ihr Sohn begleiteten mich dann zum Hotel zurück. Am Schluss sagte ich ihr, dass Bernadette und ich heute Abend ins Kino gehen würden. Als ihre Augen zu leuchten begannen fragte ich sie spontan, ob sie mitkommen wolle. Sie sagte sofort ja. Ich fragte was mit den mit dem Jungen machen wolle. Der könne mitkommen sagte sie ganz selbstverständlich. Es war ein typischer Indischer Liebesfilm mit viel Musik, und so simpel, das man den Film auch versteht, ohne dass man die Sprache verstehen muss. Tara konnte so herzhaft lachen und auch ihr Boy genoss diesen Abend sehr. Wir verabredeten uns
für den morgigen letzten Tag in Indien noch einmal.

Samstag den 13. Februar 
Bernadette und mir war sofort klar, wenn man jemanden so persönlich kennen gelernt hat, kann man nicht einfach zur Tagesordnung  wechseln. Wir gingen mit Ihr und dem Jungen essen, und versuchten einiges in die Wege zu leiten, damit wir ihre Familie von zu Hause aus finanziell ein wenig unterstützen  können. Nach vielen Problemen klappt es dann. Mit meinen Briefen bekam sie einen Bankkredit, bevor es mit unsere Banküberweisungen zu klappen begann. So konnte Indurchi schon bald zur Schule. Mit der Hilfe eines Sportgeschäftes,  ist es möglich mit ihr in Brief oder Fax Kontakt zu stehen. Sie versucht, dafür dem Geschäft ausländische Kunden zu vermitteln.
Es ist schön mit wie wenig Geld man etwas erreichen kann.
Wir werden die Familie auf unserer nächsten Indienreise im Februar 2005 wieder treffen.

Am Abend flogen wir via Mumbai, Frankfurt nach Hause in die Schweiz.

                    
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