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Die Hochzeits-Feier
beginnt morgens um 08.00 Uhr mit der
Metahah

Auf balinesisch heißt sie: Metatah, gemeint ist eine der wichtigsten Zeremonien im Leben eines jungen Balinesen: die Zahnfeil-Zeremonie, ein Muss für jeden balinesischen Hindu.  Die Bezeichnung Zahnfeil-Zeremonie ist wörtlich zu nehmen: tatsächlich werden die sechs oberen Vorderzähne abgefeilt. Im balinesischen Hinduismus symbolisieren diese Zähne unzivilisiertes, ja sogar bösartiges Verhalten. Durch die abgeschliffenen, gleichlangen und stumpfen Vorderzähne dagegen unterscheidet sich der Mensch vom Tier. Nur so kann auch seine Seele nach dem Tod wieder in den Zyklus der Wiedergeburten eintreten. Nur so kann sich der Mensch der sechs Feinde der menschlichen Seele entledigen: Lust, Geiz, Ärger, Rausch, Verwirrung und Eifersucht. Der Glaube an die absolute Notwendigkeit dieser Zeremonie geht so weit, dass sogar bestimmte Tempel auf Bali von Menschen mit ungefeilten Zähnen nicht betreten werden dürfen.
Die Metatah-Zeremonie findet in einem aufs üppigste geschmücktem Haus statt. Alles ist festlich dekoriert, überall hängen die für balinesische Zeremonien so typischen goldenen Stoffe, überall befinden sich kleine Opferschälchen für die Götter. Das ganze Dorf nimmt an diesem besonderen Ereignis teil. Die männlichen oder weiblichen Kandidaten tragen ihre kostbarsten zeremoniellen Gewänder. Durchgeführt wird die Zeremonie üblicherweise von einem Priester der höchsten Kaste, einem Brahmanen. Die jungen Männer oder Frauen liegen dabei auf einer Bastmatte. Gebete werden speziell für sie ausgesprochen, sie werden mit heiligem Wasser besprenkelt, es werden Mantren rezitiert. Die Prozedur selbst dauert nur wenige Minuten und ist vorbei, wenn der anfallende Zahnstaub von den jungen Kandidaten in einen eigens dafür vorgesehenen Behälter gespuckt wird, eine gelbe Kokosnuss-Hälfte, und im wichtigsten Schrein des Familientempels aufbewahrt wird. Aus balinesischer Sicht enthält nämlich jedes Zahnstaub-Partikelchen ein klein wenig Seele, auf balinesisch: Atman, und muss daher in der Nähe des Individuums bestattet werden.

Die balinesische Hochzeit
Die Einrichtung der Großfamilie besteht auch heutzutage noch.
Oft wohnen 4 Generationen unter einem Dach.
Insofern ist eine Heirat immer eine Angelegenheit welche die gesamte Familie betrifft und aus diesem Grunde zur Zufriedenheit aller behandelt wird.

Einer traditionellen Hochzeit geht wie in Europa ein Behördengang zum Dorfmeister voraus, welcher eine Heirat amtlich registriert. Für die Einheimischen jedoch hat dies einen weit geringeren Stellenwert als die eigentliche Zeremonie. In vielen ländlichen Regionen außerhalb der größeren Städte werden noch oft die Ehen von den Eltern arrangiert, so wie es die Tradition im Grunde verlangt. Glücklicherweise liberalisiert sich diese Haltung immer mehr, über die Wahl des Partners wird zwar meist noch innerhalb der Familie diskutiert, aber in den meisten Fällen zugestimmt. In diesem drei Tage andauerndem Spektakel findet am ersten Tag die eigentliche Heirat vor dem Priester statt, welche im Kreis der Familien in der Nähe des Haustempels vollzogen wird. Da die Frau in die Familie des Mannes einheiratet und in Zukunft auch dort lebt, wird die gesamte Feier in dessen Elternhaus abgehalten. Beide Familien richten das Fest aus, wobei offiziell die Frau als Jungfrau in die Ehe gehen sollte, oft jedoch erst (oder auch nur dann) geheiratet wird wenn sicher ist, dass sich die Frau in "froher Erwartung" befindet. Das Brautpaar ist in kostbare, gold bedruckte und farbenprächtige Sarongs, Schärpen und Bänder gekleidet, prächtig anzusehen! Die Braut trägt zudem eine Art Krone auf dem Kopf, das meist üppige Haar kunstvoll frisiert. Der gesamte erste Tag ist ganz auf die Zeremonie ausgerichtet, auch Gebete und Fürsprachen auf eine glückliche Ehe und Zukunft seitens der Angehörigen fehlen nicht. Während der ersten zwei Tage wird für reichliches Essen und Unterhaltung gesorgt, die obligatorischen Gamelanorchester leisten angemessene Untermalung, zu der am zweiten Tag zur Erheiterung der Gäste auch spezielle Tänze gehören. Fast den gesamten zweiten Tag über kommen und gehen ständig Freunde und Bekannte, Nachbarn und offizielle Vertreter des Dorfes. Das Brautpaar erwartet sitzend in der Nähe des Eingangs die eintreffenden Gäste, um sich daraufhin zu erheben, ihnen entgegenzutreten um sie einzeln zu begrüßen und deren Glückwünsche entgegen zu nehmen. Der dritte Tag ist den Freunden des Brautpaares gewidmet, welche sich in ihren Besuchen ab dem frühen Nachmittag abwechseln. In eher legerer Atmosphäre, gelöst durch etliche Gläser Arrak, wird wie am zweiten Tag wird auch hier jeder Einzelne willkommen geheißen, wiederum wird Essen gereicht, nur die Karaokeanlage hat nun das traditionelle Orchester abgelöst. Spätestens am Abend dieses Tages gewinnt man den Eindruck eines völlig erschöpften, noch immer mit stoischer Haltung und mittlerweile chronischem Lächeln die Gäste begrüßenden Paares. Während die Freunde nun nicht in zeremonieller Kleidung erscheinen, ist es den Frischvermählten noch immer nicht vergönnt ihre prachtvollen Gewänder in bequemeres Outfit zu wechseln. Die Hochzeit ist vorüber wenn der letzte Gast das Anwesen verlassen hat.

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 Letzte Aktualisierung am  26.06.2008 20:58:14