G u i d o s  R e i s e b e r i c h t e

Indien
Einleitung

 Südindien 2003  Indien 2005
Sikkim + Darjeelin
Indien 2007
Von Kerala nach Kalkutta
 Zentralindien 2004

Mensch und Umwelt

Indien 2008
Rajasthan

Indien 2009
Chhattisgarh + Orissa

Indien 2010
Gu
jarat, Varanasi 
Kalkutta mit Umgebung

Büchertipp Indien

I n d i e n  2010
G u j a r a t, V a r a n a s i und K a l k u t t a
Reisebericht  Varanasi

E i n l e i t u n g

Delhi Gujarat
Infos zur Reise Varanasi/Benares Kalkutta mit Umgebung

 
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Leben und Tod, das goldene Tempeldach, glitzernde Seide und arme Kranke und Greise, den Tod am heiligen Ort erwartend - das ist Varanasi: Indien, wo es am indischsten ist und am meisten zu Herzen geht. Das Westufer des Ganges wird gesäumt von breiten Treppen, den Ghats, hinter ihnen Tempeltürme, alte Paläste und Verbrennungsstätten. Feierlich ist die Stunde vor Sonnenaufgang, wenn sich der Himmel über dem unbebauten Ostufer rötlich färbt und Hunderte von Schälchen aus Blättern mit kleinen Ölflammen flussabwärts schwimmen.
Varanasi heißt nach den beiden Flüssen Varuna und Asi, die hier in den Ganges münden. In den Veden heißt die Stadt Kashi, Ort des Lichts. Im Ruf der höchsten Heiligkeit steht das Dasasvamedh Ghat (in der Mitte der Ghat-Reihe). Hier beten die asketischen Sadhus, oft nackt, nur mit Asche bestreut.

Wir fliegen von Ahmedabad via Delhi mit der Spicejet nach Varanasi. Der Domestic Airport in Delhi hat sich zu einem sehr modernen Flughafen entwickelt mit vielen Geschäften und Restaurants, sowie Geldautomaten.
Leider war auf dem Flug von Delhi nach Varanasi nichts von Great Himalaja Massiv zu sehen, das sich offensichtlich hinter Wolken versteckte. Die Landebahn in Varanasi ist eher kurz, so dass der Pilot ziemlich rasch und stark abbremsen musste. doch es war trotzdem eine angenehme Landung. Da der Flughafen Varanasi sehr klein ist, kann man nach dem Aussteigen zu Fuss ins Flughafengebäude laufen. Wir waren sicher mindesten 150 Passagiere, und so war der kleine Ankunftsraum in dem sich auch das nur etwa 15 bis 20 Meterlange Gepäckband befindet total überfüllt. Am ende dieses Raum befindet sich auch der Pre Paid Taxi Schalter. 800 Rupie ( 13 Euro ) wollten diese für ein Taxi in die 20 km entfernte Altstadt von Varanasi. 300 Rupie wären wohl ein fairer Preis. Nein so nicht, aber wie? Zum Glück gibt es draussen noch einen zweiten Schalter bei dem es ein Taxi für 450 Rupie gab. Auch die Inder mussten diesen Betrag bezahlen, günstiger ging es zu Zeitpunkt nicht, weil die Altstadt im abendlichen Verkehr am kollabieren war. Wir hatten unser Guesthouse direkt am Ganges wo das Taxi nicht hinfahren konnte. Bei der St. Thomas Kirche suchte der Taxi für uns eine Fahrradritschka die uns die restlichen 1.5 km transportieren sollte. Wir zwei auf einer Fahrradritschka zusammen mit unseren Koffern durch die total verstopften Gassen. Als wäre das nicht schon genug gewesen, wurden wir auf noch von Schleppern bedrängt. Als wir dann in der Nähe unseres Guesthouse ankamen, wurden wir sogleich von Portern umringt. Stopp, jetzt lasst uns erstmal absteigen und verschnaufen, sagte ich mit einem verkrampftem Lächeln. Doch zwanzig Minuten später hatten wir bereits unser Zimmer bezogen und waren auf dem Weg zum 5 Minuten entfernten Dashawamedh Gath, mitten drin im mystischen Geschehen am River Ganges.

Anschliessend das Dinner auf der Dachterrasse unseres  Rashmi Guest House - A Palace on River im Dolphin Roof Top Restaurant einnehmen zu können. was will man mehr? Dazu das erste Bier nach der alkoholfreien Zeit in Gujarat. Das Rashmi Guest House mit seinem Dachrestaurant können wir nicht nur wegen seiner Lage sehr weiter empfehlen sondern auch wegen dem guten Preisleistungsverhältnis und seinem freundlichen Personal. Unser Zimmer hatte überhaupt keinen Ausblick und war dunkel, doch zum  ausruhen, waschen und schlafen reichte es uns vollkommen.

Eigentlich wollten wir es heute Morgen langsam angehen lassen, doch als ich um 06:00 durch die Geräusche draussen am Ganges wach wurde, konnte es ich nicht mehr erwarten das Geschen beobachten zu können und meine arme Frau wurde von mir aus dem Schlaf gerissen, und 15 Minuten später waren wir draussen am Ganges. Fast zur Pflicht eines Varanasi Touristen gehört die Fahrt am Morgen früh auf dem Ganges per Boot um beim Sonnenaufgang das Treiben der Pilger an den Gaths zu beobachten und  fotografieren zu können. Heute wollten wir jedoch das Geschen an den  Gaths dem Ganges entlang zu Fuss beobachten. Man wird jedoch fast im Minutentakt gefragt ob man eine Bootsfahrt machen wolle und wie Später es wird um so günstiger werden die Angebote. Der vom UP Tourismus empfohlen Preis wäre RS 50 pro Stunde für kleine Boote für 1-4 Personen, aber daran hält sich keiner. So ist es jedem seine persönliche überlassen für sich  selber eine Preis auszuhandeln der für ihn stimmt. Ich denke dass für 90 Minuten morgens Früh ein Preis von RS 400 für indische Verhältnisse sehr hoch ist, den wir uns aber andererseits sehr gut leisten können. Da es aber mehr Boote, mit Ausnahme bei grossen Festen, gibt die von Touristen gemietet werden, bekommt man sicher ein Boot schon für RS 100 per Stunde. In Wirklichkeit ist es jedoch viel interessanter das Geschen zu Fuss mitzuerleben. Doch zugegeben per Boot lassen sich die besseren Fotos schiessen. Deshalb ist Ideal, wenn man mindestens an zwei verschiednen Tagen den Sonnenaufgang am Gange erleben kann, so hat man beide Möglichkeiten.

Im Herzen Varanasi, zwischen der Dashaswamedh Ghat und Kotwali liegt die Altstadt mit einem Labyrinth aus verwinkelten Gässchen, die zum Erkunden einladen. Hier herrscht ein buntes und lebendiges Treiben. Der Ganges dient dabei als Orientierungspunkt, sollte man sich verlaufen. Die Zugänge zu den Gassen um den Golden Tempel der Hindus und um die daneben liegende Mosche werden von unzähligen schwer bewaffneten Polizisten überwacht, um so die Mosche vor Übergriffen  radikaler Hindus zu schützen.

Am Abend werden am Ganges schöne kleine schwimmende Blumen-Gestecke mit einem Kerzchen  für Rs 10 verkauft die man dann anzünden und auf dem  Ganges treiben lassen soll. Vor allem in der Nähe des Dashaswamedh Ghat gibt es am Abend hunderte von Verkäuferinnen die solche kleinen Kerzchen verkaufen. So wirst du gegen hundert mal gefragt ob du eine Kerze kaufen willst. So habe ich angefangen dieses nicht im Ganges treiben zu lassen, sondern vor mir aufgestellt und angezündet. Das hat zwar ein Kopfschütteln ausgelöst, aber gefragt wurden wir wenigsten für eine kurze Zeit nicht mehr. Auch gibt es hunderte von Postkartenverkäuferinnen von denen auch jede ein Stück vom "Touristenkuchen" erhalten möchte. Natürlich wirst du auch am Abend immer wieder angesprochen, ob du ein Boot mieten willst. Dann gibt es da noch die Masseure die dir Hand geben wollen zum Gruss und dann diese nicht mehr loslassen wollen um dich massieren zu können. Wenn man diesen Verkäufern nicht wie lästigen Fliegen begegnet sondern sie zu verstehen sucht, dass auch sie etwas verdienen möchten, kann man das ganze mit Humor angehen lassen. Uns ist jedenfalls niemand aggressiv begegnet. 

Für unserer morgendlicher Bootsfahrt auf dem Ganges nehmen wir und 90 Minuten Zeit. Leider spielte sich der Sonnenaufgang hinter den Wolken ab und es war auch ein wenig neblig. Es ist sechs Uhr morgens.  Nach hinduistischer Vorstellung gilt es als besonders verdienstvoll, wenigstens einmal im Leben diese heilige Stadt zu besuchen und sich durch ein Bad im Fluss Ganges von den Sünden reinzuwaschen. Wer das große Glück hat, am Gangesufer zu sterben, dem gilt Erlösung als sicher. Wer nach dem Tod in Varanasi verbrannt wird und dessen Asche in den Ganges gestreut wird, entgeht dem Kreislauf der Wiedergeburt und ist besonders gesegnet. Auf dem Boot lässt man sich wiegen in der surrealen Stimmung dieses Ortes. Eine starke spirituelle Erfahrung im Herzen einer heiligen Stadt: Varanasi, auch Kashi genannt. Varanasi ist die Stadt der Kontraste: Leben und Tod, Chaos und Ordnung, Schönheit und Elend. Die leuchtenden Farben, die starken Gerüche, das Läuten der Gebetsglocken und die unaufhörlichen Gesänge machen aus dieser Stadt eine starke spirituelle Erfahrung, ziehen unweigerlich in ihren Bann. Der Ganges ist der heiligste Fluss Indiens und wird als Gottheit angesehen. Die Flussgöttin „Ganga“, dargestellt auf einer Lotusblüte oder auf einem Krokodil sitzend, ist eine von vielen Darstellungen Vishnus, dem Gott der Schöpfung und der Zerstörung.
Los geht mit der Fahrradritschka zum Stadtteil Kotwali, einem Handwerker- und Moslem Quartier. Mit den Fahrrad- und Motorritschka Fahrern, die speziell auf Fahrten mit Touristen aus sind, braucht es eine grosse Portion  Gelassenheit. Man wird alle paar Meter angesprochen, ob man eine Ritschka brauche. Es kommt oft vor, dass hartnäckige Ritschka Fahrer einen immer und immer wieder die gleiche Geschichte erzählen und einem jedes mal 5 Minuten nachlaufen. Es gibt wirklich nur ein Mittel um sich nicht stressen zu lassen, versuchen diese Menschen zu verstehen, und immer freundlich bleiben, denn wir sind ja die Gäste hier.
Das Kotwali ist ein sehr lebhaftes und interessante Quartier. Hier gibt es viele Schlepper, die versuchen die wenigen Touristen die sich hierher begeben in Seiden Geschäfte zu locken. Als uns ein solcher anspricht und uns einlädt die Stoffwerkstätten in diesem Quartier anzuschauen in denen 350 Menschen arbeiten sollen, gehen wir mit ihm auf die Runde. Wie erwartet arbeiten hier auch Kinder und als wir  einen unter 10 jährigen Knaben sehen, der dort arbeitet brechen wir den Rundgang ab. Ich beschwere mich beim Schlepper darüber und wir   gehen mit ihm zusammen in den Verkaufsraum. Dort beklage ich die Kinderarbeit sehr klar und deutlich, und ich erkläre ihnen, dass wir Europäer keine Waren kaufen die von Kinderarbeit stamme.
Wir laufen dann durch die engen Gassen Richtung Dashaswamedh Ghat zurück. Überall werden Masken, Spritzpistolen, Farben etc. angeboten für das kommende Holifest.
Wir biegen dann in Richtung Manikarnika Ghat ( Burning Gath ) dem wichtigsten Krematoriums Varanasis ab. Normalerweise liegen die Verbrennungsstätten im Verborgenen irgendwo am Stadtrand, doch die Ganze Stadt gilt als grosses Krematorium. Wie auch die meisten anderen Touristen fasziniert uns der Anblick des öffentlichen Leichenverbrennungen. Es werden bis zu schätzungsweise  10 Kremationen gleichzeitig durchgeführt. Die Leichen werden mit Prozessionen durch die Gassen zum Gath getragen oder per Boot von ihren Angehörigen zum Burnig Gath gebracht. Die ganze Leichen-Verbrennung geht sehr rasch von sich und es riecht überhaupt nicht nach Verwesung, doch es liegt ein beissende Rauch über dem Krematorium.
 

Nach drei erlebnisreichen Tagen ist es für uns Zeit Varanasi mit der Eisenbahn Richtung Kalkutta zu verlassen.
Wir geniessen zuvor die letzten Stunden am Dashaswamedh Ghat bevor wir mit der Motorritschka zum Cantonment Bahnhof fahren. Die Tourist Polizei macht uns darauf aufmerksam, dass unser Zug für unbestimmte Zeit Verspätung habe, wir sollen uns vor das Office setzen und auf weitere Informationen warten. Der Zug verkehrt zwischen Kalkutta und Allahabad und wieder zurück. Zu diesem Zeitpunkt war dieser Zug in die Gegenrichtung noch nicht in Varanasi eingetroffen. So kam ich zu Schluss, der Zug werde sicher 10 Stunden Verspätung haben oder sogar ausfallen. Es gab noch zwei andere Züge, die heute Abend noch Richtung Kalkutta losfahren würden. Der Tourist Schalter kann nur bis 4 Stunden vor der Abfahrt Reservationen ausstellen, also gab es für mich nur die Lösung mit Bakschisch zu einer Reservation in einem früheren Zug zu bekommen. Der TCO Ticket Officer schickte zuerst jemanden 2 Ticket zu kaufen. Anschliessend annullierte er unser E-Ticket und stellte uns eine neue Reservation in einem 3er/AC Abteil aus. Bakschisch = 8 Euro. Unser neuer Zug hatte jedoch ebenfalls 3 Stunden Verspätung, so kamen wir 4 Stunden später in Kalkutta an als ursprünglich geplant. Also noch im Grünen bereich.

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 Letzte Aktualisierung am  12.11.2018 17:01:09 

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