G u i d o s  R e i s e b e r i c h t e

Indien
Einleitung

 Südindien 2003  Indien 2005
Sikkim + Darjeelin
Indien 2007
Von Kerala nach Kalkutta
 Zentralindien 2004

Mensch und Umwelt

Indien 2008
Rajasthan

Indien 2009
Chhattisgarh + Orissa

Indien 2010
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Kalkutta mit Umgebung

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I n d i e n  2010
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Reisebericht  Kalkutta

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Howrah Station, der Bahnhof Kalkuttas: Fliegende Händler schreien, Lokomotiven pfeifen, Träger bahnen sich brutal ihren Weg, Menschen, wohin man blickt. Nur ein paar Meter von der Howrah Station überspannt die Howrah Bridge (Rabindra Setu) die trüben Wasser des Hoogly-Flusses, eines breiten Ganges-Nebenarms. Tag für Tag überqueren Millionen von Menschen die Brücke, zu Fuß, mit Lastwagen, Fahrrädern, Karren, Bussen, Autos - unterwegs zum Zentrum Kalkuttas . Das Ergebnis ist lärmender Stau von früh bis spät. Die pfeilerlose Brücke sieht stattlich und schön aus. Das 97 m hohe Wahrzeichen wurde 1943 erbaut.

Die Menschen dieser Stadt scheinen über besondere Überlebenskräfte zu verfügen, den »Stadt der Freude« wird Kalkutta auch genannt.

Nach einer geruhsamen Nacht im vollbesetzten Wagon geniessen wir die Fahrt bei Tageslicht  auf den eroberten frei gewordenen Fensterplätze auf der Gegenseite. Bernadette wurde erlöst von ihrem ständig und laut rülpsenten Nachbarn mit seinen verfilzten Haaren. Rülpsen ist etwas völlig normales in Indien, doch zu viel des guten schreckt auch uns ab. Ausserdem hat er dann noch ununterbrochen zu reden begonnen.
Kurz vor Mittag erreichen wir Kalkutta, vier Stunden später als ursprünglich geplant. Wir werden abgeholt von Tara mit dem gemieteten Auto plus Fahrer. Nach einer halbstündigen Autofahrt über die Howrah Brücke erreichen wir unser einfaches Hotel, das 5 Minuten von ihrer Wohnen entfernt liegt, nahe dem Bahnhof Sealdha. Vor unserem Hotel, unter den Arkaden leben vielen Familien auf der Strasse,  schlafen kochen dort. In Kalkutta herrscht unverstellbar Armut. Über drei Millionen Menschen sollen laut worldvison obdachlos sein. Ganze Familien leben auf der Strasse, Kinder werden dort geboren und grossgezogen. Vor allem Mädchen sind der Gefahr von Gewalt und Missbrauch ausgesetzt.
Nach dem wir und begrüsst und die Geschenke ausgetauscht haben fahren wir geplant zu 50 km entfernten Diamond Harbour wo der Hooghly
( Gangesarm ) in den Golf von Bengalen fliesst.
Zur Info:

Als wir im Jahre 2004 zum Abschluss unserer Zentralindienreise zum ersten Male  Kalkutta besuchten, lernten wir Tara kennen. Tara war Bettlerin und Schlepperin vor dem New Market. Tara wurde in Kalkutta geboren und sie wohnte seit der Geburt dort mit ihrer Mutter auf der Strasse. Lesen und schreiben lernte sie nie, aber bei einer christliche Organisation erhielt sie jeweils Sonntags englisch Unterricht. Sie heiratet den Taglöhner Alok und die beiden erhielten einen Sohn, Indurschi. Ganze zwei Tage konnte sie in ein Wochenbett. Kälte, Hitze, Nässe, Malaria, schlagende Polizisten, etc. beherrschten das Leben dieser Familie.

   

Ich war am Morgen früh unterwegs um mir etwas zu Trinken zu besorgen als mich Tara mit Ihrem 3 jährigen apathisch erscheinen Sohn Indurschi auf Ihrem Arm ansprach. Eigentlich waren mir Bettlerinnen die ihre Kindern zum Bettlern benutzen im vornherein unsympathisch. Tara war sehr hartnäckig und so gab ich die Gelegenheit, etwas aus ihrem Leben zu erzählen. Die beiden begleiteten uns bis zum Hotel. Ich sagte ihr Bernadette und ich werden morgen noch einmal Treffen. Zum Abschluss erzählt ich ihr, dass wir am Nachmittag in Kino gehen. Als ich ihre grossen Augen sah, fragte ich sie ganz spontan ob sie mitkommen wollten. In Indien ist es völlig normal. dass die Eltern ihre Kinder mit ins Kino nehmen und so genossen Tara und ihr Sohn Indurschi diesen Nachmittag bei Eis und Boolywood. Der Film war in Hindi gesprochen, doch auch wir genossen diesen Nachmittag als VIP Gäste. denn uns wurde der Chai in den Kino Saal serviert.

Bernadette und mir war sofort klar, wenn man jemanden so persönlich kennen gelernt hat, kann man nicht einfach zur Tagesordnung  wechseln. Wir gingen mit Ihr und dem Jungen essen, und versuchten einiges in die Wege zu leiten, damit wir ihre Familie von zu Hause aus finanziell ein wenig unterstützen  können. Nach vielen Problemen klappt es dann. Mit meinen Briefen bekam sie einen Bankkredit, bevor es mit unsere Banküberweisungen zu klappen begann. So konnte Indurschi schon bald zur Schule. Mit der Hilfe eines Sportgeschäftes,  ist es möglich mit ihr in Brief oder Fax Kontakt zu stehen. Sie versucht, dafür dem Geschäft ausländische Kunden zu vermitteln. Es ist schön mit wie wenig Geld man etwas erreichen kann.
Ihre Lebenssituation verbesserte sich nun und zwei Jahre später unterstützten wir sie auch bei der Miete einer Wohnung. Diese  hat einen Grundriss von ca. 2 x 3 m. Durch eine kleine Öffnung in der Decke kann man über ein Leiter in den 2. Stock. Der Zugang zu den Wohnungen ist sehr eng. Hier haben 10 Familien ein gemeinsames WC mit einer Waschecke. Die Wäsche wir draussen gewaschen. Aber das ersten mal im Leben ein Dach über dem Kopf. Was für ein Ereignis, auch wenn es während dem Monsunzeit hineinregnet
Am nächsten Tag gingen wir die Eltern in Midnapore besuchen. Wir wollten wissen wo Alok herkommt und warum es Alok mit seiner Familie in Kalkutta auf der Strasse zu leben und nicht in einem Haus im Bezirk Midnapore. Zuerst musste jedoch noch unser Auto repariert werden und die Fahrt ging um einiges länger als von Tara erwartet. So waren wir , Hin- und Rückfahrt anstatt 5 Stunden, total 8 Stunden unterwegs. Die Mutter von Alok kochte für uns ein Festessen und wir hatten die Gelegenheit mehr über das Leben der Landbevölkerung im Bezirk Midnapore zu erhalten. Es habe alle genug zu Essen, da aber alle anderen auch Bauern sind, können sie nichts verkaufen und haben somit auch kaum Geld zur Verfügung. Während den 3-monatigen Monsunzeit stehen die Häuser manchmal unter Wasser und die Leute und Die Bewohner schlafen müssen dann draussen auf einer kleine Erhöhung auf einem Plastik schlafen. So nehmen die Lehmhäuser schaden und das Gemüse fängt an zu faulen. Die Familie hat 2 Söhne und 3 Töchter. 1 Sohn lebt hier und ist verheiratet. Die eine Tochter ist verheiratet und lebt ausserhalb  Kalkuttas als Bäuerin. Die beiden anderen Töchter, werden kaum heiraten können, da das Geld dazu fehlt. Pro Heirat müssten sie eine Mitgift von über 1000 Euro aufbringen können. So lebt die eine Tochter bei ihrem verheirateten Schwester und die andere noch zu Hause. Alok ist also das einzige Familienmitglied das über regelmässige Einkünfte verfügt, so kann er seine Eltern etwas unterstützen, beispielsweise für Medikamente. Alok arbeitet als Laufbursche bei einem Sportgeschäft und Tara geht täglich bei zwei Familien putzen. Während unseres Besuchs werden wir von den  Nachbarinnen beobachtet und begutachtet. Wahrscheinlich haben sie noch nie Menschen aus dem Westen getroffen. Am Schluss werden wir von einer grossen Menschenmenge verabschiedet. Jetzt erwartet uns eine  weitere abenteuerliche Autofahrt zurück nach Kalkutta.
   
Wir hatten Glück, den an unserem letzten Tag in Indien, wir das Holifest gefeiert. Es gehört zu den ausgelassensten, fröhlichsten und farbigsten Festen Indiens und wird zu Ehren von Khrishna und Kama gefeiert. Holi markiert das Ende des Winters und den Beginn des Frühlings und hat viele Ähnlichkeiten mit der alemannischen Fassnacht. Die Menschen bewerfen sich gegenseitig mit farbigem Pulver und bespritzen sich mit Wasser. Eine weitere symbolische Handlung ist das Bemalen mit aufgelöstem Kumkum (rotem Farbpuder), wobei ähnlich wie bei unserem Karneval soziale Unterschiede keine Rolle spielen. Ausgelassenheit und Freude kennzeichnen Holi. Wir liefen stundenlange durch die Wohnquartiere und genossen die ausgelasse Stimmung.
Wir wurden wurden sehr zuvorkommend behandelt und nur mit leicht farbigen Wasser bespritzt. Auch die angetrunkenen Männer waren nie aggressiv gegenüber uns. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, denn einer schüttet mir Farbe über die Hosen so dass ich diese zu Hause fortschmeissen musste.
So geht unser letzter Besuch in Kalkutta zu ende. Wir unterstützen die Familie von Tara weiter, bis Indurschi die  12. Klasse beendet haben wird.

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 Letzte Aktualisierung am  09.11.2018 22:35:27 

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