G u i d o s  R e i s e b e r i c h t e

 

Indien
Einleitung

 Südindien 2003  Indien 2005
Sikkim + Darjeelin
Indien 2007
Von Kerala nach Kalkutta
 Zentralindien 2004

Mensch und Umwelt

Indien 2008
Rajasthan

Indien 2009
Chhattisgarh + Orissa

Indien 2010
Gu
jarat, Varanasi 
Kalkutta mit Umgebung

Büchertipp Indien

I n d i e n  2010
G u j a r a t, V a r a n a s i und K a l k u t t a
Reisebericht  G u j a r a t

E i n l e i t u n g

Delhi Gujarat
Infos zur Reise Varanasi/Benares Kalkutta mit Umgebung


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Gujarat ist der westlichste Bundesstaat Indiens. Es ist durch das Arabische Meer im Westen und Pakistan im Nordwesten begrenzt. Rajasthan liegt nördlich von Gujarat, Madhya Pradesh im Osten, und Maharashtra im Süden.

Eine Reise in Indiens westlichsten Bundesstaat kann sicherlich ein unvergessliches Erlebnis sein. Die Heimat Mahatma Gandhis beherbergt seit je her Reisende aus nah und fern. Früher waren es griechische und römische Händler, die sich Seiden- und Brokatstoffe aus Gujarat organisierten. Aber auch heute noch sind Seiden- und Brokatstoffe aus dieser Gegend sehr beliebt

 
Am Morgen kurz nach 8.00 kommen wir ausgeschlafen und ausgeruht mit dem Ashram Express aus Delhi in Ahmedabad an. Durch ein Fehler beim buchen haben wir 1. Klass Tickets reservieren lassen. Die Kosten für diese 930 km betrug für uns beide weniger 70 Euro. Da wir die einzigen waren die die ganze Strecke fuhren, erhielten wir das einzige Abteil mit 2 Betten. Weil wir noch eine 400 km lange Autofahrt vor hatten war es natürlich von grossen Vorteil sehr gut geschlafen zu haben und so ausgeruht anzukommen. Im Ahmedabad auf dem Bahnsteig wurden wir von einem Vertreter der Garha Tours & Travels empfangen. Unserer Fahrer Vikram mit seinem Auto, einem AC Indigo, erwartet und ebenfalls schon ausserhalb des Bahnhofgebäudes. Nach kurzem Check unseres Programm, und nachdem wir die Restzahlung geleistet hatten begann unsere 8-tägige Tour durch die Region Kutch im Nordwesten des Bundesstaates Gujarat los.( mehr Infos hier )
Der Lastwagen Verkehr ist Richtung Hafen am Arabischen mehr war natürlich enorm. Die Strasse ist recht gut und wird in ein paar Jahren 4-spurig sein.
Der weltweit zu beobachtende Wandel der Wirtschaftsstruktur von der Landwirtschaft zur Industrie und zum Dienstleistungssektor vollzieht sich auch in Indien, das aber im internationalen Vergleich, zum Beispiel mit China, immer noch sehr stark agrarisch geprägt ist. 59,4 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft erwerbstätig. Die ländliche Bevölkerung bildet gleichzeitig den ärmsten Teil der Bevölkerung. Vom Aufschwung der Wirtschaft profitiert bisher vorwiegend die Bevölkerung der Städte, wo sich eine kaufkräftige Mittelschicht oft hochqualifizierter Fachkräfte bildete.

Kurz nach 15.00 erreichen wir Bhuj, die Hauptstadt vom Distrikt Kutch. Wir wohnen im Hotel Prince. In Kutch leben viele Volksgruppen, welche vor langer Zeit aus dem jetzigem Iran, Afghanistan und Pakistan eingewandert waren. Diese Gruppen sind in ganz Indien berühmt für ihre Handarbeiten, z.B. Stickereien, Batik aber auch Töpferarbeiten und Lederverarbeitung und vieles mehr. Zudem befindet sich hier der kleine und grosse Rann, die einzige Salzwüste Asiens. Trotzdem ist Bhuj relativ untouristisch geblieben. 2001 wurde der Distrikt von einem schwerem Erdbeben heimgesucht, bei dem 10% (ca. 25 000) der Bevölkerung ums Leben kamen. Die Folgen sieht man noch an vielen zerstörten Gebäuden in der Stadt und an den vielen neuen Häusern in den Dörfern.
Die schmalen Strassen und alten Basare innerhalb der Stadtmauern von Bhuj konnten ihren Mittelalterlichen Charme bewahren und laden zu erlebnisreichen Entdeckungsspaziergängen ein. Hier kann man die Eindrücke, Farben und Gerüche, wie sie nur Indien zu bieten hat, so richtig geniessen.

Am Morgen schauen wir uns die üblichen Sehenswürdigkeiten der Stadt an: Das Fort, den Palace und das Ania Mahal Museum. Am späten Morgen müssen wir noch zum DSP Office um ein Permit ( Bewilligung ) für den Besuch der Dörfer nahe der Grenze zu Pakistan einholen. Dieses dauert ungefähr eine Stunde und die Unterschrift bekommt wir dann im obern Stock beim Polizeipräsidenten persönlich.
Heute Nachmittag besuchen wir das Dorf Dhaneti einer Dorfgemeinschaft der
Ahir, eine hinduistische Hirten- und Bauernkaste. Besonders die Frauen aus Kutch und Saurashtra (Gujarat) sind als überaus geschickte Stickerinnen bekannt. Der nordwestliche Bundesstaat Gujarat steht touristisch sowieso etwas im Schatten seines Nachbarn Rajasthan. Dabei verfügt Gujarat über ein wohl gehütetes Schatzhaus an Sehenswürdigkeiten, das selbst viele Inder in Erstaunen versetzt. Die Region Kutch ist bekannt für die farbenprächtigsten Stickereien Indiens mit Spiegel-Einlegearbeiten, Perlen und Silberschmuck – eine schier unglaubliche Farbenpracht.
Später lassen wir und im Dorf Dhamadka, bei den Khatri die Herstellung und Verwendung von Naturfarbe erklären sowie in die Kunst des Block-Drucks einweisen.
"block-print" bezeichnet die Technik des Bedruckens von Baumwollstoffen per Hand mittels handgeschnitzter Druckstempel.

Für den Besuch des  Dorf Sumereasar, 20 km nördlich von Bhuj nahmen wir sehr viel Zeit. Wir fühlten uns sofort sehr Willkommen. Auf dem sehr grossen Dorfplatz beschäftigten sich Männer mit  Handarbeiten oder wärmten sich an kleinen Feuern auf. Die Frauen waren mit dem täglichen Wasser holen am Dorfbrunnen beschäftigt. Für uns, die täglich ihre Dusche nehmen können, ist es schwer vorstellbar, das Wasser oft über  Leben oder Leben entscheidet. Nach dem wir beim kaufen unseres Masala Chais um ein paar Rupie  betrogen wurde, freute sich der Teeverkäufer kindlich. Ich war so überraschst, weil ich bis jetzt bei Teekaufen noch nie betrogen wurde. Inder sind im Allgemeinen sehr ehrliche Leute doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Als wir dann den Dorfplatz verliessen hatte sich unsere Anwesenheit natürlich schon rumgesprochen. Zuerst brachten die Frauen ihre Kinder zum fotografieren, bis sie sich dann auch selber trauten. Digitalkameras sei Dank!

 

Es gibt nur eine Familie die diese Kunst des " Rogan Painting " beherrscht. Sie leben in Nirona, einem Dorf 20 km von Bhuj in Gujarat, Erdfarbe und Rizinusöl werden zusammen gekocht und drei Tage lang werden Steine darin getaucht. Mit einem Metallstift wird dann dir Farbe auf den Stoff aufgetragen.

Die Männer des Dorfs Hodka verbringen ihre meiste Zeit draussen und sind mit der Vieh Aufzucht beschäftigt. Sie leben in Lehmhütten, Bhunga. Diese Bhungas sind kreisförmig. Die dicken Mauern halten die Innenräume im Sommer kühl und im Winter warm. Die Hütten sind im Inneren sehr schön bemalt Und werden mit kleinen Spiegeln verziert. ( Lehmspiegel Kunsthandwerk ) Kreative und kunstvolle Handarbeit ist ein wichtiger Teil der Frauen im Dorf Hodka. Sie sind berühmt für Ihre Handarbeiten aus Leder mit traditionellen Motiven. Die Stickereien der Frauen des Dorfes sind besonders berühmt. Es ist Familientradition, dass die Mütter den jungen Mädchen diese Kunst weitergeben.
Es können Hinweise sein auf die Stammeszugehörigkeit oder Zeichen von Reichtum und sozialem Status, aber Schmuck und Körperbemalung vermögen auch gegen den bösen Blick zu schützen oder Unheil fernzuhalten sowie die Verbindung zu den Ahnen und Göttern herzustellen.
 

Willkommen im Shaam-e-Sarhad (Sonnenuntergang an der Grenze ) Village Resort, im Besitz und Geleitet von einem  Komitee bestehend aus Einheimischen des  Hodka Dorfes.
Das Einheimische Tourismus-Projekt im Hodka Dorf soll die örtliche Kultur fördern und mit dem Tourismus für eine nachhaltige Existenzgrundlage und die integrierte Entwicklung des Kunst – Handwerks sorgen. Das Ziel ist es, die Lebensqualität der Menschen durch die Schaffung von sanftem Tourismus zu verbessern und dabei die Erhaltung der Gemeinschaft und die Förderung der Kultur zusammen mit den Besuchern zu fördern. Das Ressort hat drei Bungas mit angebautem WC/Dusche und 7 Zelte mit ebenfalls angebautem WC/Dusche. Das Essen schmeck sehr gut und es ist vegetarisch aus lokalen Produkten zu bereitet. Am Abend werden jeweils lokale Musikdarbietung aufgeführt. Der prächtiger Sternenhimmel runde das ganz ab.

Der Rann of Kutch ist ein zeitweise überfluteter Salzsumpf am südlichen Abschnitt der Grenze zwischen Indien und Pakistan. Er umfasst rund 28.000 km², einschließlich des südwestlich gelegenen Kleinen Rann von Kutch, und liegt größtenteils auf dem Gebiet des Distriktes Kutch im westindischen Bundesstaat Gujarat, südlich der Wüste Thar. Nur ein kleiner Teil gehört zur pakistanischen Provinz Sindh. Das Wort „Rann“ ist aus dem Hindi entlehnt und bedeutet Salzsumpf. Ursprünglich war der Rann von Kutch eine Bucht des flachen Arabischen Meeres. Durch Hebung des Meeresbodens wurde diese vom Meer abgeschnitten und es entstand ein riesiger Salzsee. Im Laufe der Zeit verlandete der See zu einem Salzsumpf. Dieser wird regelmäßig während der kurzen Regenzeit von Juli bis September um bis zu 50 Zentimeter überflutet. Dies ist der einzige Ort in Indien wo sich Flamingos erfolgreich fortpflanzen. Hier überwintern auch viele tausend sibirische Kraniche.

Im nördlichen Kutch hört die Moderne auf. Den höchsten Anteil an der Bevölkerung stellen die Muslime im an Pakistan grenzenden Kutch. In der Region hat man Angst vor Unruhestiftern aus Pakistan. Noch zu schmerzhaft ist die Erinnerung an die schrecklichen Ausschreitungen zwischen Muslimen und Hindus, die 2002 Gujarat erschütterten.

 

Das Dorf Bhirandhiaro in welchem Menschen aus dem Volksstamm der Meghqar leben ist bekannt für sein wunderschön bemahlten Bungas.
( Rund-Lehmhäuser ). Dort werden wir freundlich in ein Bunga eingeladen und wir dürfen der sehr netten Frau beim kochen zuschauen. Solche herzliche Begegnungen sind für uns jeweils spezielle Highlights.
Im Nachbardorf, einem Ort der Raisipotra Muslime, fühlten wir uns nicht nicht Willkommen. So geht es schnell weiter. ( letztes Bild unten )

 

Das Dorf Ludia wird bewohnt von der Volksgruppe der Meghwar. Ein ebenfalls sehr schönes Dorf. Wir werden  von einem etwas aufdringlichen Mann begrüsst, wir sollen doch zu Ihm nach Hause kommen. Doch ich sage ihm, wir wollten zuerst das Dorf anschauen. So kamen wir auch in etwas abgelegen Teile des Dorfes, wo wir dann ein schön gesticktes Tuch kauften. Es sollen ja möglichst alle Familien von den Touristen profitieren können.

 

Auf dem Weg zum  Kala Dungar ( schwarzer Berg ) halten wir in Khavda für einen Masala Chai. Dort steht der staatliche Gesundheitsbus der zwischen Bhuj und Khavda die Menschen medizinisch versorgt. Ein tolle Einrichtung die es so in Indien noch lange nicht überall gibt. Die Bevölkerung wird dabei auch noch aufgeklärt, wie zum Beispiel über Aids, Polio, Schweinegrippe etc.
An der Grenze zu Pakistan geniessen wir die Ruhe, den Ausblick und den Sonnenuntergang am letzten Punkt vor dem Niemandsland.

 







 

Weiter geht es nach Dasada, etwa 5 Autostunden entfernt zum Little Rann of Kutch. Es ist eine Salzpfannenwüste und die Heimat des indischen Wildesels. Das auch als Onager bezeichnete Tier ist eigentlich ein Halbesel und kommt nur hier vor. Neben den Wildeseln leben im Schutzgebiet auch Flamingos, verschiedene Reptilien, Antilopen und Leoparden. Auch der extrem seltene indische Wolf ist hier gelegentlich anzutreffen. Bei der Fahrt durch das Schutzgebiet kommen man auch zu Siedlungen verschiedener hier lebender Volksstämme. Die Wüstenregion des Kutch wirkt auf den ersten Blick unfruchtbar und öde, beherbergt aber in Wirklichkeit viele Volksgemeinschaften, die sich untereinander durch jeweils verschiedene ästhetische Ausdrucksformen unterscheiden. Rabari, Mutwa, Jat, Mehgwal und Sodha (stammen vorwiegend von asiatischen Nomadenvölkern ab) sind die Namen der wichtigsten Stämme mit einer Jahrhunderte alten Nomadentradition, die es überhaupt möglich macht, diese unwirtliche Gegend zu bewohnen. Die Stickkunst gehört zu diesen Traditionen. Sie ist zum Mittel geworden um Meinungen auszudrücken und um die eigene Rolle innerhalb des Stammes festzulegen. Die Handarbeiten aus Kutch gelten als die farbenfrohsten in ganz Indien, zumal wenn sie zusätzlich mit Spiegeln verziert sind.



 

Wir wohnten 2 Nächte im Rann Riders Ressort ( ende Februar ) . Dort machten wir am Morgen eine Jeepsafari in durch und am Rande der Wüste und am späteren Nachmittag besuchen wir verschieden Dörfer rund um Dasada.
Die Bharwads, gegen ende der Fotogalerie,  sind Halbnomaden aus
Rajasthan, die sich hier in Dasada seit 12 Jahren aufhalten. Die Männer sind Hirten und die Frauen versuchen sich mit Stickereien etwas dazu zuverdienen. Ihre Unterkunft besteht nur aus Ästen und Plastik. Das Vieh schläft unterhalb der Liege Pritschen  damit sie während der kalten Jahreszeit nicht zu sehr frieren müssen.

 

Heute verlassen wir Kutch und fahren zurück nach Ahmedabad. Indien ist voller Überraschungen und du siehst immer wieder was Neues. Kaum sind wir in Dasada losgefahren kommen uns Jain Pilger entgegen. Diesen besuchen irgendeinen für sie wichtigen Tempel. Sie sind bereits 200 km unterwegs und es wartet auf Sie weitere 50 km. Zu Fuss, im Ochsenkarren, im Rollstuhl, per Elefant oder im Kamelsammelwagen.
Später treffen wir noch auf eine grosse Gruppe Nomaden aus Rajasthan, die neben der Strasse ihr Quartier aufgeschlagen hatten. Die Gadia Lohar sind eine Volksgruppe, deren wesentliches Merkmal es ist, ständig in Bewegung zu sein, und die ihre Zelte aufschlagen, wo immer ihre Laune sie hintreibt. Geboren und aufgewachsen in offenen Lagern, trotzen sie der brennenden Sonne, den rauen Winden und Überschwemmungen in der Regenzeit. Ihre Liebe zur Natur und ihre Ungebundenheit sucht ihresgleichen. Dieses lebhaften, farbenfreudigen und ein wenig mysteriösen Menschen haben ihre ureigene Identität, die sie unerschütterlich an ihren Gebräuchen und Traditionen festhalten lässt.

 

Unser Hotel Host Inn liegt sehr Zentral. Den Rest des Tages gehen wir auf Entdeckungstour durch die Basare und pols ( Wohnbezirke ) der geschäftigen Altstadt was ein besonderes Erlebnis ist. Die Stadt fasziniert auch durch die Vielfalt ihrer architektonischer Gebäude mit der Mischung von Mittelalter und Moderne. Ahmedabad ist aber auch eine Brutstätte religiöser Spannungen, so das Ansehen der Stadt in den letzten Jahren gelitten hat. Als im Jahr 2002 ein moslemischer Mob mehrere Eisenbahnwagen in Brand setzten kamen dabei 59 Hindu-Pilger ums Leben. Das Ereignis löste in ganz Gujarat gewaltige Unruhen aus. Moslemische Viertel wurden in Brand gesetzt. Es gab dabei Schätzungsweise bis zu 2000 Tote, die meisten davon Moslems.

Wir haben diese Tag in Gujarat sehr genossen und sind sehr gespannt was  uns Varanasi alles erwartet.

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 Letzte Aktualisierung am  09.11.2018 17:06:23 

 

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