G u i d o s  R e i s e b e r i c h t e


Junge Frauen in einem Ausbildungslager der Salwa Judum ("Friedensmission") in Chattisgarh
Foto: Asian Center for Human Rights

I n d i e n  2 0 0 9
C h h a t t i s g a r h , O r i s s a,  K a l k u t t a
N a x a l i e t e n

Guidos Reiseberichte
 

Toter Salwa Judum Activist in Chhattisgarh
Die Naxaliten entstanden in den späten 1960er Jahren und sind nach dem Ort Naxalbari bei Darjeeling in Westbengalen benannt, wo 1967 ein unter der Führung einiger Mitglieder des linken Flügels der Communist Party of India (Marxist) (CPI(M)) stattfindender Bauernaufstand von der Polizei niedergeschlagen wurde. Hauptursachen für diesen und andere im selben Zeitraum ablaufende Bauernaufstände (am wichtigsten war derjenige in Srikakulam (Andhra Pradesh)) waren die Konzentration des Landes in den Händen weniger Großgrundbesitzer, die im Wesentlichen aus der britischen Kolonialzeit herrührte und die gesellschaftliche und ökonomische Diskriminierung der Adivasis durch die hinduistisch geprägte Gesellschaft.
Die Naxaliten sind in mehreren Unionsstaaten aktiv. Sie fordern Landbesitz für Arbeiter und Arme und orientieren sich in ihrem Kampf nach eigenen Angaben an dem chinesischen Revolutionsführer Mao Tse Tung. Die Rebellen kämpfen nach eigenen Angaben für die Rechte der armen und besitzlosen Bevölkerungsteile.
Für Ministerpräsident Manmoham Singh ist der seit Jahrzehnten anhaltende Aufstand indes die grösste Gefahr für die innere Sicherheit des Landes.

Indien: Schutz von Schulen im Naxaliten-Konflikt

Die Maoisten behaupten, sie kämpfen für die Schwachen in Indien, doch ihre Anschläge auf Schulen bringen diese Kinder um ihre dringend benötigte Ausbildung“, so Bede Sheppard, Researcher in der Abteilung Kinderrechte von Human Rights Watch und Autor des Berichts. „Zudem werden die Kinder gefährdet, verängstigt und aus ihren Klassenzimmern vertrieben, wenn die Polizei ihre Schulen für lange Zeiträume als Stützpunkte nutzt.“
mehr dazu hier HUMAN RIGHTS

 

Indien 20.05.2010,

Güterzug von Rebellen überfallen

 

In Indien haben Rebellen einen Güterzug überfallen und in Brand gesteckt. Die Angreifer waren offenbar Naxaliten, also Anhänger einer maoistischen Rebellenbewegung, die immer wieder Anschläge verüben und Sicherheitskräfte angreifen.Vermutlich maoistische Rebellen haben am Donnerstag in Indien einen Güterzug angegriffen und 15 Waggons in Brand gesetzt. Die Angreifer lösten außerdem drei Explosionen auf der Bahnstrecke im Osten des Landes aus, wie ein Bahnsprecher berichtete.

 
Indien

24 Maoisten-Rebellen getötet

Bei einem der schwersten Gefechte mit den Sicherheitskräften seit Jahresbeginn sind in Indien mindestens 24 maoistische Rebellen getötet worden. Auch ein hochrangiger Offizier ist unter den Toten.

Hunderte Polizisten und Mitglieder von Spezialeinheiten hätten in einem abgelegenen Waldgebiet im zentralindischen Staat Chhattisgarh eine Gruppe von mehr als 100 schwer bewaffneten Rebellen eingekreist. Bislang seien zehn Leichen geborgen worden.

Rebellion seit 40 Jahren

Die Maoisten lehnen sich seit Ende der 60er Jahre gegen die indische Regierung auf und wollen nach eigener Darstellung mehr Rechte für arme Bauern und landlose Arbeiter durchsetzen.

In ländlichen Gebieten im Osten, Süden und dem Zentrum Indiens gewinnen sie an Einfluss und nehmen dort nach Angaben von Behördenvertretern immer öfter Zugstrecken, Strom- und Kommunikationsnetze ins Visier, um die wirtschaftliche Entwicklung aufzuhalten.

Ministerpräsident Manmohan Singh hat den Aufstand als eines der grössten Probleme für die innere Sicherheit des Landes bezeichnet.
 

(sda)

 

Chhattisgarh  28. Februar 2006
Der südliche Teil des Bundesstaates befindet sich seit einiger Zeit unter der Kontrolle maoistischer Rebellen (Naxaliten). Am 28. Februar 2006 starben im Distrikt Dantewada über 50 Menschen bei einem Anschlag durch die Naxaliten. Diese legten eine Landmine, die einen Lastwagenkonvoi in die Luft sprengte, der von einem von der Regionalregierung organisierten Trainingscamp zurückkehrte. Das Lager dient der Ausbildung von Milizen, die den naxalitischen Aufstand niederschlagen soll

0rissa 6. Februar 2008 Rebellen-Angriffe in Indien
Zahlreiche Überfälle auf Polizeistationen
Bei einer Serie von Angriffen militanter Maoisten auf Polizeiwachen im ostindischen Unionsstaat Orissa sind nach offiziellen Angaben mindestens 15 Menschen getötet worden. Unter den Opfern sind 13 Polizisten, eine Zivilperson und ein Dorfwächter. Elf Polizisten wurden zum Teil schwer verletzt.Die Kämpfer hätten am späten Freitagabend vier Polizeiwachen, eine Ausbildungsakademie und ein Waffenlager angegriffen, teilte die Polizei mit. Dabei seien den Maoisten mindestens 1000 Pistolen in die Hände gefallen. Rund 400 Rebellen sollen an den Angriffen beteiligt gewesen sein. Die Waffen sollen in einem Bus abtransportiert worden sein, den die Rebellen zuvor in ihre Gewalt gebracht hatten.

Es ist die schmutzige Seite des Wirtschaftsmärchens: Seit Jahrzehnten leistet sich Indien einen Guerillakrieg gegen linke Rebellen. Durch Milizen eskaliert der Konflikt nun - die Bevölkerung gerät zwischen die Fronten.

Tatsächlich hat die indische Zentralregierung allen Grund zur Sorge. Der Konflikt mit den linken Rebellen dreht sich in einer Eskalationsspirale, seit die Regierung des Bundesstaates Chattisgarh 2005 damit begann, mehr oder weniger versteckt Bürgerwehren auszurüsten. Mehr als 1000 Menschen starben allein in den letzten beiden Jahren. Durch die Bewaffnung von Zivilisten sollte ein militärisches Gegengewicht zu den Naxaliten aufgebaut werden. Der Plan wurde zu einer humanitären Katastrophe.

 

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch weist den sogenannten Sawa-Judum-Milizen in einem großangelegten, gerade erschienenen Bericht von Mitte Juli 2008 das gesamte Schreckensarsenal des Bürgerkriegs nach: Vergewaltigungen, Vertreibungen, Hinrichtungen, das Anheuern von Kindern als Hilfspolizisten. Den Naxalisten wirft Human Rights Watch ebenfalls die Rekrutierung von Kindern, Angriffe auf Zivilisten und die pauschale Exekution von Salwa Judum-Verdächtigen vor. 

 

"Das Schlimme im Moment ist, dass hier in Chattisgarh keiner mehr neutral sein kann", sagt Meenakshi Ganguly, die für den Bericht mit ihrem Team über Monate in den abgelegenen Bürgerkriegsstaaten recherchierte. Salwa Judum verfolgen vermeindliche Naxaliten und umgekehrt - die Bevölkerung ist in diesem schmutzigen Kleinkrieg vollends zwischen die Fronten geraten. Mehr als 100.000 Menschen mussten fliehen, etwa 50.000 leben als Zwangsevakuierte in trostlosen Camps. Hunderte ihrer Dörfer wurden von den Salwa Judum im Zuge ihrer "Verbrannte-Erde-Taktik" niedergebrannt.


Naxaliten auf dem Vormarsch
 

Gegen die Rebellen konnten die Bürgerwehren im extrem armen und unterentwickelten Chattisgarh allerdings nichts ausrichten, im Gegenteil.

Die Naxaliten, benannt nach einem Aufstand im Bezirk Naxalbari im Bundestaat West-Bengalen 1967, breiten sich immer weiter aus. Sie sind inzwischen in einem Drittel aller Distrikte und in der Hälft der 29 indischen Bundessaaten aktiv. Man spricht sogar von einem "Roten Korridor", der sich von der nepalesischen Grenze bis in den südindischen Bundesstaat Karnataka zieht


Minen gegen die Polizei

 

Die Observer Research Foundation in Neu-Dehli schätzt die Zahl der Naxaliten auf etwa 10.000 spärlich ausgerüstete Guerilla-Kämpfer und etwa 40.000 Kader. Häufig benutzen sie Landminen und Handgranaten gegen Sicherheitskräfte, Regierungsgebäude, Eisenbahnlinien und Fabriken. Jedes Jahr werden tausende von Guerilla-Aktionen der Naxaliten gemeldet, die an Brutalität nicht hinter den Bürgerwehren zurückstehen. Ihnen gelangen aber auch schon spektakuläre Aktionen wie etwa eine Befreiung von 350 Gefangenen. 24 Polizisten starben zuletzt Mitte Juli in einem abgelegenen Teil des Bundesstaat Orissa, als eine Landmine unter deren Fahrzeug detonierte. Zwei Wochen zuvor hatten die Rebellen im selben Distrikt bei einem Überfall auf eine Elite-Einheit 38 Polizisten getötet. 


Die Ursache des Bürgerkriegs liegt in der katastrophalen sozialen und wirtschaftlichen Lage, wie Premier Manmohan Singh 2006 in einer Rede vor den Ministerpräsidenten der von maoistischer Gewalt betroffenen Staaten zugab. Sie habe maßgeblich zum Erstarken der Naxaliten-Bewegung beigetragen.

 

Die Bevölkerung in den besonders betroffenen Bundesstaaten wie Orissa, Chattisgarh oder Jharkand hat noch sehr wenig vom Boom Indiens abbekommen, obwohl dort gigantische Vorkommen an Bauxit, Eisenerz und Kohle lagern - deren Ausbeutung von einer massiven Vertreibung der einheimischen Bevölkerung begleitet wird. Millionen verloren ohne Entschädigung Land und Lebensraum.

 

"Das schlechte Gewissen"

 

Die Naxaliten hingegen verstehen sich als Kämpfer gegen Armut, Ausbeutung und Unterdrückung der niederen Kasten und der in Ost-Indien beheimateten Stammesbevölkerung der Adivasi.

 

"Sie sind das schlechte Gewissen Indiens, das immer wieder brutal an die ungelösten sozio-ökonomischen Probleme des Landes erinnert", sagt Christian Wagner, Indien-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.

 

Rote Fahne über Delhi?

 

Einen dauerhafte Verständigung mit den Rebellen hat bisher noch keine Staatsregierung geschafft. Human Rights Watch verlangt nun von der indischen Regierung, die Unterstützung für die Milizen einzustellen. Die verantwortliche Staastregierung von Chatisgarh hatte die Salwa Judum bisher aber immer als Erfolg bezeichnet. Polizei-Chef Vishwa Ranjan lässt sich nun zitieren, dass die Regierung antworten werde, nachdem sie den Bericht analysiert habe.

 

Für Frieden bräuchte es hingegen, darin sind sich alle Experten einig, eine Beseitigung der groben Ungerechtigkeiten. "Doch die politische Kraft etwa für eine Landreform ist nirgends zu entdecken", sagt Indien-Experte Wagner. Sie ist vielleicht eben so fern, wie das Ziel, das die Naxaliten ernsthaft ausgegeben haben: Irgendwann, so lautet aus ihrem Führungskreis, soll die Rote Fahne über der indischen Hauptstadt Delhi wehen. 
 

Reisehinweis EDA

Andhra Pradesh, Bihar, Chhattisgarh, Jharkhand, Orissa: In den abgelegenen Wäldern dieser Bundesstaaten sind maoistische Gruppierungen (Naxaliten) aktiv. Attentate und Überfälle auf Dorfbewohner und Behörden nehmen zu, vor allem in Chhattisgarh. Informieren Sie sich vor und während einer Reise bei den lokalen Behörden über die Sicherheitslage an Ihrem Zielort.
 

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 Letzte Aktualisierung am  08.11.2018 15:42:08