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Guidos
Reiseberichte
Das Imperium der Schande
von Jean Ziegler
www.bertelsmann-verlag.de
Der organisierte Mangel
Heute haben sich neue Feudalsysteme herausgebildet,
die unvergleichlich mächtiger, zynischer, brutaler und gerissener sind
als die früheren,
nämlich die transkontinentalen Privatgesellschaften der Industrie, des
Bankenwesens, des Dienstleistungssektors und des Handels.
Die Herrscher des Imperium der Schande organisieren ganz bewusst den
Mangel. und dieser Mangel gehorcht der Logik der Profitmaximierung.
Die Kinder werden nicht von einem objektiven Mangel an Gütern
vernichtet, sondern von der ungleichen Verteilung dieser Güter. Also von
einem künstlichen Mangel. Die wirtschaftliche Unterentwicklung wirkt auf
die Menschen wie ein Gefängnis. Sie sperren sie ein in ein Dasein ohne
Hoffnung. Die Haft ist von Dauer, die Flucht praktisch unmöglich, das
Leiden endlos.
Die strukturelle Gewalt
Ein Bruchteil der Summen, die in den Weltkrieg gegen den
Terrorismus investiert werden. würde vollständig ausreichen, um die
schlimmsten Plagen, die die im Stich gelassenen Bevölkerungen auf dem
Planeten quälen, aus der Welt zu schaffen.
Was für eine gigantische Heuchelei! Man behauptet zu kämpfen (
bombardieren, massakrieren etc. ), um Gerechtigkeit und Frieden in die
Welt zu bringen, und verfolgt doch nur seine ganz persönliche
Privatieressen
Die Agonie (
die Qual, der Kampf ) des
Rechts
Heutzutage sind die meisten Schranken des
internationalen Rechts zusammengebrochen. Die UNO selbst ist äusserst
geschwächt.
Am 18. September hat der amerikanische Präsident einen geheimen Befehl
unterzeichnet, der die Bildung von Kommandos erlaubt,
die ausserhalb jedes nationalen oder internationalen Gesetztes vorgehen.
Die Barbarei und ihr Spiegel
Bringen die islamistischen Bewegungen die Völker zum Träumen.
Natürlich nicht.
Was haben sie anzubieten? Die Scharia, die abgehackten Hände der Diebe,
die Steinigung der des Ehebruch verdächtigen Frauen, die Herabsetzung
der Frau auf ein Status eines Untermenschen, die Ablehnung der
Demokratie, die fürchterlichste intellektuelle, soziale und geistige
Regression. Die irrationale Gewalt der Dschihadisten ist ein Spiegel der
Barbarei der Kosmokraten.
Die Verschuldung
Die Völker der armen Länder arbeiten sich zu Tode, um
die Entwicklung der reisen Länder zu finanzieren. Der Süden finanziert
den Norden und insbesondere die herrschende Klasse der nördlichen
Länder. Das wirksamste Mittel des Nordens zur Herrschaft über den
Süden ist heute der Schuldendienst.
Im Jahr 2003 belief sich der öffentliche Entwicklungshilfe der
Industrieländer des Nordens für die
122 Länder der dritten Welt auf 54
Millionen Dollar. Im selben Jahr haben diese Länder der Dritten Welt den Kosmokraten
der Banken des Nordens 436 Milliarden Dollar als
Schuldendienst überwiesen
Man braucht keine Maschinengewehre,
kein Napalm, keine Panzer, um die Völker zu unterwerfen und ins Joch zu
zwingen. Dafür sorgt heute ganz allein die Verschuldung.
Der Schuldendienst verschling den grössten Teil der
Ressourcen des verschuldeten Landes. Es bleibt nichts mehr übrig, um
soziale Investitionen zu finanzieren. Wenn die Zahlungsfähigkeit droht,
werden die Daumenschrauben angezogen. Die Schergen des IWF kommen aus
Washington. Sie prüfen die wirtschaftliche Lage
des Landes und verfassen einen letter of intent ( Absichtsbrief ). Die
Regierungen des genebelten Landes muss " aus freien Stücken "
akzeptieren, dass der Gürtel enger geschnallt wird. Niemals im
Budget der Armee, der Geheimdienste oder der Polizei weil sie die
Sicherheit der ausländischen Investoren garantiert. Wer leidet darunter.
In erster Linie natürlich die, die nicht viel haben. Die
Grossgrundbesitzer in Brasilien oder die indonesischen Generäle scheren
sich nicht um die Schliessung von Schulen oder der
öffentlichen Krankenhäuser.
Widerlich Schuld
Die neue ruandische Regierung hat eine Auslandschuld geerbt, die
sich auf knapp über eine Milliarde Dollar beläuft.
Sie waren der Meinung, dass sie keine moralische Verpflichtung hätten,
Kredite zurückzuzahlen, die dazu gedient hatten, Macheten zu kaufen, mit
denen man ihre Mütter, Brüder und Kinder zerstückelt hatten. Doch das
Kartell der Gläubiger, das vom IWF und der Weltbank angeführt wurde
lehnte jede Regelung ab.
So müssen sich heute die
bettelarmen Bauern in Ruanda und die wenig überlebenden des Völkermordes
abrackern und denjenigen die das Massaker finanziert haben, die Summen
zurückzahlen.
Hunger
Massaker an Millionen Menschen durch Unterernährung
ist und bleibt der grösste Skandal zu Beginn des dritten Jahrtausends.
Eine Absurdität und eine Schande, die durch keinen einzigen
Vernunftgrund gerechtfertig und von keiner Politik legitimiert werden
können. Es handelt sich um ein immer wieder von Neuem begangenes
Verbrechen.
Der Hunger ist das direkte Produkt der Auslandschuld.
Der Hunger bedeutet akutes körperliches Leiden, eine Schwächung
der motorischen und geistigen Fähigkeiten, Ausschluss aus dem
berufstätigen Leben, soziale Marginalisierung, Angst vor dem nächsten
Tag, Verlust der wirtschaftlichen Autonomie.
Er für zum Tod.
Der Hunger ist die hauptsächliche Todesursache auf unserem
Planeten. Und dieser Hunger ist von Menschenhand gemacht.
Wer an Hunger stirbt, stirbt als Opfer eines Mordes
Und der Mörder trägt einen Namen, er heisst: Verschuldung!
Gravierend und chronische Unterernährung zerstört langsam den
Körper. Sie schwächt ihn und beraubt in seiner Lebenskräfte. Die
geringste Krankheit wirft in nieder. Das Gefühl des Mangels wird
permanent empfunden.
Doch die schlimmsten Leiden, die von der Unterernährung
verursacht werden, sind die Angst und die Demütigung. Der Hungernde
führt einen verzweifelten und ständigen Kampf um seine Würde.
Ja, der Hunger erzeigt Scham. Der Vater kann seine Familie nicht mehr
ernähren. Die Mutter steht mit leeren Händen vor dem hungernden Kind,
das weint.
Die Angst nagt an ihm. Er geht in Lumpen, mit ausgetretenen Sandalen und
fiebrigem Blick. Er kann in den Augen der andern
lesen, dass er verachtet wird. Oft sind er und seine Angehörigen
gezwungen, die Abfälle aus den Mülltonnen der Restaurant oder der
bürgerlichen Häuser zu essen.
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Jean Ziegler
Das Imperium der Schande
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